Bellissimama Umstandsmoden — Schön in der Schwangerschaft und danach, die Orchidee im Umstandsmode-Blog

Tragetücher- pro und contra.

Viktor und LENA.jpgImmer wieder geistert durch die Presse, dass Tragetücher möglicherweise für Bandscheibenschäden verantwortlich sind, wie Markus Niesen in seinem Baby-Blog zum Thema Tragetücher erörtert. Hierbei wird immer Bezug auf das Deutsche Grüne Kreuz genommen. Auf dessen Seiten findet man aber zur Thematik Tragetücher nichts. Dies hat mir keine Ruhe gelassen, denn nach wie vor trage ich unseren Jüngsten begeistert im Tragetuch und verkaufe die Didymos Tragetücher in meinem Onlineshop, weil ich sie wirklich toll finde. Deshalb habe ich einfach mal beim Deutschen Grünen Kreuz nachgefragt. Hier in Auszügen die Antwort von Frau Michaela Berg vom DGK (Danke!):

Es handelt sich dabei um eine ältere Meldung des DGK. Die Aussage, dass festes Schuhwerk und unnachgiebiger Asphalt für weniger Federung und somit zu Bandscheibenschäden beim Kind führen kann, stammt von Dr. Uwe Göring, Kinderarzt aus Pregnitz, aus dem Jahre 1998 (zitiert auch in der Medical Tribune). Bedenken, dass das Tragen des Säuglings in aufrechter Körperhaltung schädlich für seinen Rücken sei, wurden von vielen Studien widerlegt (z.B. von Dr. Stening, Dr. Evelin Kirkilionis und anderen). Vielmehr fördere das Tragen in gespreizter, stark angehockter Beinstellung die gesunde Entwicklung des kindlichen Hüftgelenkes, habe also prophylaktische Wirkung gegen die so genannte angeborene Hüftdysplasie, und komme gleichzeitig den kindlichen Bedürfnissen nach Körperkontakt entgegen. „Schläge auf den Rücken des Kindes beim Herumtragen werden vom Tuch und von der Mutter abgefedert,“ sagt Dr. Prof. Remo Largo. Durch Schaukelbewegungen und die immer anderen Positionen des Kindes beim Tragen, wird die Rückenmuskulatur und die Halsmuskulatur gestärkt und schneller ausgebildet. Dazu gibt es auch Untersuchungen, die dies bestätigen.Für das Tragen spricht: Tragetücher und -säcke haben den Vorteil, dass sich Mütter oder auch Väter frei bewegen können, ohne dadurch den Körperkontakt zu ihrem Baby zu verlieren. Das Baby wiederum empfindet ein Gefühl von Geborgenheit und Sicherheit, weil es den Körper spürt. Tragen fördert das Urvertrauen und das Bindungsverhalten. Getragene Kinder weinen weniger und sind in der Regel zufriedener als Kinder, die nicht in den Genuss von so viel körperlicher Nähe kommen. Wenn man Säuglinge verteilt über den Tag trägt, schreien sie in den ersten sechs Lebenswochen und auch abends weniger und sind zufriedener, wenn sie wach sind. Kontra: Nach Einschätzung von einigen Experten bewegen sich viele Kinder beispielweise in den ersten zwei Lebensjahren zu wenig oder nicht richtig. (Anmerkung von Bellissimama: das gilt aber auch für Babyschalen und Kinderwagen!) Säuglinge sollten deswegen immer auf den Rücken gelegt werden, raten die Experten. Auf diese Weise seien Säuglinge und Kleinkinder besser in der Lage, sich im Rumpfbereich zu drehen. Außerdem bewegen sie ihre Arme und Beine aktiver. In Tragetüchern können ist die Bewegung eher eingeschränkt, Kinder können beispielsweise ihre Hände weniger aktiv einsetzen, um etwa Gegenstände zu untersuchen, zu greifen. (v. Loh, 1995a) Säuglinge, die viel getragen werden, würden sich zudem an die vertikale Position gewöhnen und unruhig werden, sobald sie hingelegt werden. (Grundhewer, 1995) Anmerkung von Bellissimama: unsere Erfahrung ist genau gegensätzlich. Durch das Schaukeln im Tragetuch schlafen die Kinder meist ein und lassen sich dann - samt Tragetuch- geschickt ablegen und schlafen überwiegend weiter). Für Neugeborene und Säuglinge ist die vertikale Position jedoch zudem äußerst unbequem. Der Kopf kann noch nicht gehalten werden (Anmerkung von Bellissimama: bei der Wickelkreuztrage kann der Kopf mit einer Tuchbahn problemlos fixiert werden) und die Wirbelsäule wird im Sitzen gestaucht (Grundhewer, 1995). Ist das Kind falsch in Tüchern oder anderen Tragevorrichtungen gewickelt, kann die korrekte und erwünschte Stütze des Körpers - v.a. der Wirbelsäule und des Kopfes - und somit die Entlastung des Rückens des Kindes oft nicht erreicht werden. Die meisten Kinder entwickeln sich trotz dieser Bedingungen gut, das belegen auch Studien. Allerdings ist das kein Beweis dafür, dass das Tragen für sie angemessen ist (Pikler, 1998).

Wichtig ist daher vor allem, dass das Kind mit einem leicht gerundeten Rücken in den Tragemöglichkeiten sitzen kann und nicht zu einem Hohlkreuz gezwungen wird. Anmerkung von Bellissimama: also wenn es schon ein Tragesitz sein muss, dann bitte das Baby nicht nach außen tragen!) Durch schlechte Tragehilfen und falsches Tragen kann sowohl die Entwicklung von Rücken und Hüfte des Kindes beeinträchtigt als auch der Rücken der Mutter/ des Vaters stark in Mitleidenschaft gezogen werden. Korrekte Beinhaltung und ausreichende Unterstützung des Rückenbereichs sind oberstes Gebot. Nur bei richtiger Verwendung eines Tragetuches werden Rumpf und Beine des Säuglings hinreichend unterstützt, sowohl bei einem seitlichen Hüftsitz (Reitsitz) als auch einer so genannten face-to-face Haltung zum Tragenden oder beim Tragen auf dem Rücken. Deshalb muss der Sitz in Tragetüchern immer wieder überprüft werden. Längere Strecken im Sitzen, verbunden mit den beispielsweise beim Wandern durch den Gang ausgelösten Auf- und Abbewegungen, sind für den noch instabilen Halteapparat eine zu große Belastung. Das stetige Tragen ist daher sicherlich nicht das Richtige.
Die Verwendung eines Tragetuches erfordert einige Übung. Das korrekte Binden sollte deshalb unter Anleitung geübt werdenHierzu werden beispielsweise von Geburtshäusern und Hebammen spezielle Kurse angeboten. Dort erfahren Mütter auch, welcher Sitz in welchem Alter der geeignetste ist.

Immer noch nicht genug? Dann einfach hier weiterlesen:

http://trageschule-nrw.de

http://www.babytragen.com

http://www.tragetuch.de

http://www.trage-tuch.de

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1 Kommentar »

  1. Katja schreibt,

    27. Mai 2010 @ 10:10

    Ich habe meine Kleine gerne und viel im Tragetuch geschleppt. Mein Rücken hat es mir mit einem Bandscheibenvorfall gedankt. Aber mein Arzt hat mir erklärt, dass das immer vom eigenen Körperbau abhängt. Hab wohl ne falsche Haltung an den Tag gelegt. Aber meiner Kleinen hat es glaub ich nicht geschadet, wir beide haben die Nähe genossen.

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